Ein Jahr ohne TV – Das Experiment

Heute möchte ich gerne einmal berichten, was ich als Entspannungstrainerin im Selbstversuch gelernt habe. Was aus einem völlig entnervten Boykott entstand wurde zu einem interessanten und lehrreichen Experiment:

Ein Jahr lang kein fernsehen. Beginn: 15. Mai 2014.

Hört sich zunächt einmal einfach an. Aber wie bei vielen anderen Gewohnheiten ist auch hier ein gewisses Suchtpotential vorhanden gewesen.

Es ist ja auch sehr einfach: Der Tag ist vorbei, das Kind im Bett, die ToDoListe abgearbeitet, und nun? Auf jeden Fall entspannen!

Ab auf die Couch, Füße hoch, Fernseher an. Lieblingsserie? Fehlanzeige. Gestern verpasst. Nachrichten? Nein danke, zu deprimierend.

Also herumzappen, irgendwo hängen bleiben, in den Pausen weiterzappen und nicht mehr wissen, was ich noch vor 3 Minuten geguckt habe.

Statt wirklich entspannt den Abend ausklingen zu lassen, stellte ich nach solchen Zapp-Einheiten fest, dass ich mal wieder meine Zeit verschwendet hatte. Und das hat mich richtig genervt.

Es ist ja nicht so, dass ich viel fernsehe. Wer mich kennt, weiß, dass ich lieber lese oder male… Aber so ab und zu war es doch mal eine Abwechslung.

Eine kurze Rechnung:

Der Monat hat im Durchschnitt 30 Tage (und Fernsehabende), davon entfallen für mich 10 Abende berufsbedingt, bleiben 20 potentielle Fernsehabende mit je 2 Stunden,

entspricht 40 Stunden fernsehen im Monat. Umgerechnet eine ganze Arbeitswoche.Im Jahr wertvolle 480 Lebensstunden oder 12 Arbeitswochen.

Dies ist eine Milchmädchenrechnung, ich weiß, und bei weitem habe ich nicht soviel fern gesehen.

Trotzdem war es hilfreich, um ganz auf Entzug zu gehen, denn letztendlich war die Frage: Was mache ich stattdessen?

Neben allen Alltäglichkeiten war nun die Zeit dafür frei zu lesen, zu lernen, zu schreiben, zu malen, und noch andere kreative Projekte umzusetzen.

Und diese Schaffenskraft ist bei weitem entspannender und zufriedenstellender als nur zuzuschauen, was andere machen.

Für mich stellte sich immer die Frage: Was hat das, was ich mir da angucke, anhöre, was ich dadurch an Gefühlen durchlebe, mit mir persönlich und mit meinem Leben zu tun?

 

Was hat das alles mit meiner eigenen Realität zu tun? Oder anders gefragt: Was macht das Ganze mit mir? Mit meiner Konzentration, mit meiner Gefühlswelt, wie wirkt es sich auf mein tägliches Leben aus?

Statt sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die mit dem eigenen realen Leben nichts zu tun haben, sind nun wieder persönliche Kontakte intensiviert.

Der Schlaf ist tiefer, es gibt weniger unruhige Träume. Der Tag gestaltet sich insgesamt ruhiger, die Gedanken sind konzentrierter auf eigene Handlungen ausgerichtet. Kein Zeitdruck, dadurch entsteht ein Freiraum.

Nach diesem Jahr vermisse ich das fernsehen in keinster Weise. Keine Ahnung, wann ich mal wieder fernsehen werde. Eine DVD, gezielt ausgesucht, oder ein Kinobesuch, bleibt deshalb etwas Besonderes.

Nach dieser Zeit ist nicht-fernsehen normal geworden, dafür gibt es jetzt etwas anderes, was mich nervt … und vielleicht zu einer neuen Herausforderung, oder auch Experiment wird.

 

Dies ist keine Moralgeschichte. Es ist eine Motivationsgeschichte.

Mein Resümee: Es hat sich gelohnt in vielerlei Hinsicht.

Im Hinblick auf Hochsensibilität und Hochsensitivität ist die Einschränkung des Medienkonsums sogar dringend angeraten. Die Reiz- und Informationsüberflutung wirkt sich auf das im Vergleich zum normalen Nervensystem deutlich krankmachend aus.

Wer auch nur annähernd Schwierigkeiten hat, einen wirklichen erholsamen Schlaf zu finden, wer insgesamt einen stressigen Alltag hat, wo sich Stressymptome bereits zeigen wie Vergesslichkeit, Unzufriedenheit, Genervtheit, Lebensunlust… den möchte ich ermutigen, den Medienkonsum, wozu letztendlich ja auch das Internet gehört, zu überprüfen und Alternativen zu suchen, um sich selbst (wieder) näher zu kommen.

 

So kann das Experiment für Erwachsene gelingen:

  • Den TV-Konsum zeitlich festlegen, zB. maximal 2 Stunden pro Tag.
  • Das Fernsehprogramm für die Woche festlegen, mit dem Rotstift einkringeln, was geschaut werden kann.
  • Wenn das ausgesuchte Programm langeilig oder nicht ansprechend ist: Ausmachen.
  • Was kann stattdessen gemacht werden? Evtl. eine Liste anlegen, zum Abend vorrangig mit entspannenden Inhalten.
  • Wochenweise immer einen fernsehfreien Abend, dh. entspannenderen Abend mehr einschleichen lassen.
  • Sich mit jemanden für die fernsehfreie Zeit verabreden.

Viel Erfolg!

 

Nächster Artikel: Medien als Vorbilder – Was bilden unsere Kinder sich ein?

 

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